Veggielife
Ich lebe seit 14 Jahren vegetarisch. Warum? Tiere zu züchten um sie zu essen empfinde ich als unethisch. Fleischproduktion ist Verschwendung von Ressourcen und geht zu Lasten unserer Umwelt. Und vegetarisch zu leben ist beileibe nicht ungesund.
Denkweisen
Der Hauptgrund, der viele Menschen niemals auch nur auf den Gedanken kommen lässt, auf Fleisch zu verzichten, ist der Gewohnheitsfaktor. Teile von toten Tieren zu essen gilt als normal, ist gesellschaftlich akzeptiert und fast immer seit der Kindheit anerzogen. Zudem gibt es Vorbehalte, denn niemand will auf etwas scheinbar gutes Verzichten und sich den anderen gegenüber benachteiligt fühlen. Typische traditionelle Klischees sind z.B.:
- Auf den Teller gehört ein Stück Fleisch und dazu noch eine Beilage. (Was für eine abwertende Bezeichnung!)
- Grünzeug ist (Mist und) nur etwas für Tiere. (Ja sind wir denn keine Tiere!)
- Wie soll man ohne Fleisch satt werden. (Genug Essen!)
Prosa
Hühnchenschnitzel, helle Soße, Kartoffeln. Gewohnte Kost. Eine Stelle ist hart.
Wie auf einem Labortisch wird das Objekt untersucht und auf Tauglichkeit für den Verzehr geprüft.
Aus irgendeinem Grund ist dieses Einheitsprodukt fehlerhaft, Ursache unbekannt.
Ich drehe und wende es, schließlich lasse ich es liegen. Mehr noch.
Dieser faserige Humpen auf meinem Teller ist nicht einfach nur “da” wie die anderen zuvor.
Er ist nicht aus irgendeiner Maschine entsprungen, ist nicht ein seelenloses Massenprodukt guter deutscher Ingenieursarbeit.
Er war Teil eines realen Tieres. Ein biologisches Individuum. Individuell gewachsen.
Die Fasern, sie sind Muskeln, die einmal gelebt haben, sich bewegt haben.
Durch diese Adern strömte das Blut eines lebenden, fühlenden Wesens.
Und jetzt bleiben von diesem Wesen nur noch ein paar faserige Brocken übrig. Tot, herausgeschnitten, angerichtet. Obendrein verschmäht.
Das Blut ist weg, das Leben auch. Und wofür, für mich? Kein natürlicher Tod. Kein Unfall. Kalte Berechnung.
Zehn Gute Gründe
Die wichtigsten Gründe, vegetarisch zu leben, frisch und knackig auf den Punkt gebracht:
Gleiches Recht für alle
“Ich möchte nicht im Fleischerladen hängen und die Hausfrauen kaufen mich scheibchenweise ein, also kann ich das auch nicht von den Tieren erwarten.” (Ingo Insterburg)
Living veggiestyle
Seit der Änderung meiner Speisekarte habe ich aufgehört wie ein Fleischesser zu denken. Wenn man seine Augen nicht verschließt, bietet sich einem plötzlich eine nie wahrgenommene Vielfalt an leckeren Früchten und Gemüsen zur Auswahl: Sie will entdeckt werden!

Dinge, die man oft in meiner Küche findet, sind: Oliven, Mozarella, Tomaten, Basilikum, Olivenöl, Balsamico-Essig, Eisberg- oder Romanasalat. Neben Pfannengemüse esse ich auch sehr gerne Sandwiches. Im Sommer finde ich Grillen sehr spaßig. Leider wird viel zu selten vegetarisch gegrillt.

Fleisch oder nicht Fleisch
Eine erstaunliche Sache ist, dass Fleisch eigentlich recht wenig an Eigengeschmack besitzt. Genauso wie Tofu erhält Fleisch erst durch Gewürze einen guten Geschmack. Kassler Schinken und Kochschinken schmecken hauptsächlich gut, weil sie sehr salzig sind, bei Rostbratwürstchen mit Senf dominiert der Senf den Sinneseindruck. Ich nenne ganz bewusst diese Beispiele, da ich diese typischen Geschmäcker von den Tier-Produkten recht gerne mochte bevor ich Vegetarier wurde. Nicht, dass ich sie vermisst hätte, denn Salz und Senf sind vegetarisch. ;-)
Ein anderer einprägsamer Teil von Fleischprodukten ist ihre Konsistenz, die von Fleisch-Ersatzprodukten nachgeahmt wird, und nicht immer an das Original heranreicht. Einigen Leuten schmecken diese Produkte gar nicht, besonders wenn falsche Erwartungen geweckt wurden. Manche sind aber durchaus passabel. Tatsächlich gibt bereits sehr leckere Produkte aus Soja oder Weizeneiweiß, die nicht nur den Umstieg leichter machen, sondern die vegetarische Küche deutlich bereichern. Denen, die partout nur in den traditionellen Kategorien denken können, hilft es manchmal wenn sie einfach das Schweine- gegen ein Soja-Schnitzel tauschen können.
Rezept
Wolframs Kartoffelschmaus
- 300g Kartoffelstückchen oder Rösti zerkleinert
- 150g Kräuterquark, Salatcreme oder Joghurt bzw. eine beliebige Mischung daraus
- etwas Knoblauch
- etwas Schnittlauch
- 1 Scheibe (Vollkorn-)Toast
Etwas raffiniertes Öl in einer Pfanne heiß machen und die Kartoffelstückchen anbraten. Knoblauch und Schnittlauch dazugeben, den ungetoasteten Toast hineinkrümeln und alles gut durchziehen lassen. Zum Schluss die Quark/Joghurt-Mischung unterrühren und servieren.
Mengenangaben für 1 Person.
Lizenz: GPL 2.0, Autor: Wolfram Riedel.




