“Journalistische” Glosse

Die letzten Wochen seit der Berliner Wahl waren schon ziemlich turbulent für die vierte Macht im Staat, den Hüter der Demokratie, das mediale Spiel um Aufmerksamkeit. Was weiß ich denn, ob das mehrere Graswurzelbewegungen waren aus denen die Grünen damals entstanden: für Umwelt, gegen Atom, für Emanzipation, gegen Krieg und Karies. Wenn man ihnen das jetzt in Abrede stellt ist das ganz allein die Schuld der Piraten, denn diese Ein-Themen-Partei fordert ja ausschließlich die totale Freiheit im Internet.

Das wird wie bei den Grünen auch noch die nächsten drei Jahrzehnte so bleiben, denn Inhalte erarbeiten ist halt viel Arbeit und geht nicht über Nacht, selbst wenn der grundlegende Politikansatz der Piraten feststeht, das Programm daran wächst und diverse Wegweiser recht deutlich zeigen wohin die Reise gehen soll. In den Medien wird das aber nicht aufgegriffen, denn Inhalte erarbeiten ist halt viel Arbeit und geht nicht über Nacht. Ich zeige daher mein vollstes Verständnis wenn die Mehrheit der Journalisten einfach nachplappert und abschreibt was ihre Kollegen sich in minutenlanger Nichtrecherche selber erdacht haben.

In diesem Internet, das ohnehin mehr Schaden anrichtet als es nützt, findet man ja sowieso keine brauchbaren Quellen, also lieber die Sicht des uninformierten Zuschauers einnehmen, dann wirkt es wenigstens authentisch. Etwas stutzig macht mich zwar schon, dass es zwischen Volkspartei und Ein-Themen-Partei keine anderen Größeneinheiten zu geben scheint, aber so oft wie die Piraten schon mit der vormaligen Präferenz des anscheinend wichtigsten Sechstels ihrer Wähler: den Grünen — also praktisch ihrer Ursuppe — verglichen worden sind, das färbt halt ab. Gegenseitig und rückwirkend.

Einen Kommentar schreiben


Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: