Plagiatsaffäre Guttenberg
Es war in der Wissenschaft noch nie eine Schande, sich der Gedanken anderer zu bedienen, man muss es halt nur immer kennzeichnen. Bevor man dieses Prinzip verstanden hat, kann man durchaus dem Denkirrtum erliegen, man müsse als wissenschaftlicher Autor selbst ein Genie sein, das ganz alleine die Welt erklären kann. Wissenschaft aber bedeutet, auf den Schultern von Riesen zu stehen, auf vielen, manchmal hunderten von Bausteinen aufzubauen, um dann am Ende nur noch einen weiteren kleinen Kiesel draufzusetzen.
Wenn man dieses grundlegende Prinzip wissenschaftlichen Schreibens erst einmal verstanden und verinnerlicht hat, dann ist es fast schon trivial. Aber dann ist es auch nicht mehr verzeihlich (und eigentlich auch gar nicht nötig), den eigenen kleinen i-Punkt von anderen abzuschreiben und sich mit fremden Federn zu schmücken. So sehr ich auch der Meinung bin, dass Fehler zu machen menschlich ist, so habe ich für Guttenberg in dieser Sache kein Mitleid.
Es geht immerhin nicht um einen läppischen Deutschaufsatz oder eine Seminarausarbeitung, sondern um eine Doktorarbeit, die zudem noch mit “summa cum laude” ausgezeichnet wurde. Die Verdachtsmomente werfen eben auch andere Fragen auf als nur die, ob er vielleicht unter Zeitdruck ein bischen zu sehr geschludert hat: nämlich ob er einen Ghostwriter engagiert hat, oder ob ihn die Gutachter trotz der Mängel mit Auszeichnung durchgewunken haben.
Guttenberg inszeniert sich sonst immer gerne als Speerspitze einer von vorne bis hinten sauberen und integeren (Leistungs-)Elite. Allerdings mochte sich mir aus seiner allzu schnellen Karriere noch keine Rechtfertigung dafür offenbaren, dass die äußerlich geschniegelte Hülle auch von entsprechenden Fähigkeiten ausgefüllt ist. Vielleicht habe ich ja nur nicht gründlich genug gesucht, aber ich habe den Eindruck, dass er von einem Mythos umgeben wird, der ihn maßlos überhöht. Deshalb würde es mich freuen wenn mit der Plagiats-Geschichte der “Mythos Guttenberg” endlich beendet wird und die Allgemeinheit von nun an die “Person Guttenberg” als diejenige bewertet, die sie tatsächlich ist. Nicht mehr und nicht weniger.




Am 20. Februar 2011 um 15:08 Uhr
Er musste keine Dissertation schreiben. Er hat eine geschrieben die offenbar zusammengeklaut ist. Deutlicher kann man nicht sagen, dass es hier nur um den Titel an sich ging. Ein Türöffner quasi, der Kompetenz vortäscht. Aus meiner Sicht ist das bereits Betrug und nicht einfach nur mangelne Redlichkeit. So einen Minister muss man aus einer Kanone exmatrikulieren und aus allen Ämtern werfen.
Allein die Signalwirkung an die Studentenschaft wäre unbezahlbar.
Am 20. Februar 2011 um 19:04 Uhr
Ich finde es mega peinlich. Er sollte abdanken – das geht gar nicht..
Am 27. März 2011 um 19:05 Uhr
Es ist immer wieder beeindruckend, wie direkt so ein Hype verglüht. Durch Libyen und Japan ist zu Guttenberg von einem Tag auf den anderen weg. Man hat noch den Großen Zapfenstreich mit Smoke on the water in Erinnerung, seit dieser Zeit hört und sieht man nix, weder von Guttenberg selbst noch von seinen angeblich vielen Fans.