BGE und Peer Production
Seit einigen Jahren ist mir Oekonux ein Begriff, eine Community, die das Modell der Entwicklung freier Software auf eine allgemeine Wirtschaftsform übertragen möchte. Sie benutzt für ihre Theorie den im wahrsten Sinne des Wortes blumigen Begriff “Keimform”, der unter meinen damaligen Peers in erster Linie für Heiterkeit sorgte. Aber selbst wenn ihre Theorie vielleicht nicht den höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen mag, so sprechen sie dennoch einen interessanten politischen Punkt an: eine Gesellschaft, in der man sich frei organisiert ohne das Primat des Kapitals selbst verwirklichen kann. Das Prinzip der “Peer Production” beleuchtet Christian Siefkes in seinem Buch “Beitragen statt tauschen“.
Heute sehe ich ihren Ansatz in Verbindung mit der Idee des Grundeinkommens mit etwas anderen Augen. Die Einführung eines Grundeinkommens würde es wohl erlauben, große Teile ihrer antizipierten Wirtschaftsform umzusetzen. Güter und Dienstleistungen würden zwar nicht einfach aufhören, Waren zu sein, und das Geld würde nicht verschwinden, aber die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen erlaubte die von ihnen ersehnte Selbstentfaltung in frei gewählten Tätigkeiten, und die unter bestimmten Bedingungen sehr fruchtbare Produktionsweise freier Softwareprojekte könnte auf andere Bereiche deutlich ausgeweitet werden. Die Verbindung von Grundeinkommen und Peer Production erscheint mir insgesamt eine sehr natürliche, und ich bin geradezu erstaunt, dass das Grundeinkommen von den Oekonuxern nicht (stärker) propagiert wird. Die ihnen gewiss noch innewohnende Vorstellung, das Kapital vollends überwinden zu müssen, steht dem wohlmöglich im Wege?
Selbst wenn wir mit einem Grundeinkommen das Kapital nicht überwinden werden, sondern uns mit ihm “nur” nachhaltig arrangieren können — was unter den heutigen Bedingungen leider nicht gilt –, wäre viel gewonnen. Der Antrieb zu Arbeit sollte vor allem intrinsischer Natur sein: individuelle Interessen und Ziele, Bildung und Weiterentwicklung, Freundschaftsdienste und Familienarbeit aus Zuneigung und Hilfsbereitschaft. Produktionen müssen in einem entschärften Kapitalismus keine Gewinne abwerfen, solange sie nur Kosten und Steuern decken. Das Streben nach Gewinn könnte sich von außen (Geld) nach innen (Befriedigung) verlagern. Im Mittelpunkt dessen sehe ich ein sinnerfülltes Leben und Streben: organisiert als Peer Production, ermöglicht durch ein bedingungsloses Grundeinkommen.



