Glücksrad Gutsy
Nach dem schnellen Lob auf Ubuntu 7.10 “Gutsy Gibbon” muss ich dann leider auch noch meine Enttäuschung kundtun. Es muss zwar toleriert werden wenn die erste Paket-Aktualisierung nach der Installation der Beta-Version das System gnadenlos zerschießt, indem jegliche GTK- und GNOME-Anwendungen einen “Segmentation Fault” auslösen — selbst wenn diese Beta gerade mal eine Woche vor dem Release-Datum erscheint; aber Gutsy macht auf mich auch insgesamt den Eindruck, das am wenigsten ausgereifte Release in den zwei Jahren zu sein, seit denen ich Ubuntu benutze. Das liegt an den vielen “Kleinigkeiten”, die neu stören, oder Regressionen, bei denen Gutsy nicht so zuverlässig funktioniert wie sein Vorgänger Feisty.
- Die neue Desktop-Suche “Tracker” beansprucht den Festplattenkopf derart brutal, dass ich Angst um meine Platte und meine Daten bekam. Den “trackerd”-Prozess habe ich sofort gekillt, die automatische Indizierung deaktiviert und den Programmstart aus den Sitzungseinstellungen gelöscht und sicherheitshalber auch gleich noch das Paket entfernt.
- Das Abmeldefenster hat jedes mal eine Minute lang gehangen, da es sich an alten Einstellungen störte. Das Löschen von “~/.config/autostart” half.
- Die CPU-Last meines Core Duo war unverständlich hoch und der Lüfter heulte fast jedesmal auf wenn man irgendetwas tat. Erlösung brachte die Installation des “libcpufreq0″-Pakets.
- Im Benutzer-Verzeichnis wurden ungefragt Beispiel-Unterverzeichnisse angelegt. Für brandneue Nutzer ist sowas ja nett, doch wenn man dort schon seine eigenen Verzeichnisse zu liegen hat, fragt man sich dann erstmal ob die eigenen Daten noch alle da sind und was das soll. Das Moving-to-Freedom-Blog ist dieser Sache nachgegangen. In “~/.config/user-dirs.dirs” stehen die Pfade dazu und in “/etc/xdg/user-dirs.conf” kann man dieses Verhalten auch systemweit ausschalten.
- Die enthaltene Version des Feed-Readers “Akregator” markiert geradezu willkürlich irgendwelche ungelesenen Beiträge als gelesen. Der Fehler ist bereits im KDE-Bugtracker gelistet und wird hoffentlich bald beseitigt sein. Eine etwas plumpe, aber wirksame Abhilfe schafft derweil das Installieren des Akregator-Pakets aus Feisty.
- Meine zwei derzeit ausstehenden Probleme sind das unerklärlich langsame DVD-Brennen mit K3B und das nicht mehr automatische Mounten von Silberscheiben auf USB-Laufwerken.
Das Nervige an diesen Bugs ist, dass man zu deren Ausloten und Recherchieren schonmal Stunden bis Tage verbringen kann. In den Foren und Blogs habe ich von vielen Nutzern gelesen, die ähnliche Probleme hatten — nicht selten aber mit ganz anderen Ursachen als jene, die es dann bei mir waren. Einige Nutzer sagen aber auch, dass sie überhaupt keine Probleme mit Gutsy haben. Deshalb nenne ich dieses Release jetzt Glücksrad Gutsy.
Ich hoffe doch stark, dass Hardy Heron mit Langzeitunterstützung nicht so kantig sein wird wie Gutsy, andernfalls kann ich Ubuntu demnächst nicht mehr guten Gewissens weiterempfehlen. Für mich selber werde ich mich auch mal wieder nach Alternativen umschauen.



