Esperanto lebt
Über einen Hinweis von Roland Schnell auf der Berliner Esperanto-Mailingliste wurde ich auf den Artikel Evolution ist ein Beweis von Leben von Claude Piron aufmerksam, den ich mit großem Interesse verschlungen habe. Seine fachlich versierten Ausführungen über die lebendige Weiterentwicklung der “Kunstsprache” Esperanto zeigen nicht nur, dass diese Sprache keine tote Sprache ist, sondern auch wie spielerisch und gefühlvoll viele Esperanto-Sprecher mit dieser Sprache umgehen können.
Dabei finde ich es besonders erstaunlich, wie stark diese Kunstsprache gleichsam einer natürlichen Sprache den Einflüssen durch den praktischen Gebrauch unterworfen ist. Erfreulich ist dies weil ein künstliches Sprachkonstrukt — nicht zuletzt gerade durch den Begriff “Kunstsprache” — meistens als etwas Statisches empfunden wird. Dem gleichen statischen Eindruck mag man auch erlegen sein wenn man sich nur an (früher Lern-)Literatur orientiert. Stattdessen zeigt uns diese Sprache, dass noch mehr in ihr steckt als es die 16 Regeln vermuten lassen und dass sie damit ähnliche organische Qualitäten wie andere natürliche Sprachen besitzt. Wohlmöglich hat es sich als richtige Design-Entscheidung Zamenhofs erwiesen, sich am Vokabular natürlich entstandener Sprachen zu bedienen.
Das zu oft als Sonderling verschmähte Esperanto reiht sich damit gleichwertig zu anderen europäischen Sprachen ein, ohne dabei seine Vorteile einzubüßen. Denn natürlich kann sich eine organische Qualität über die Jahrhunderte hinweg auch als Nachteil herauskristallisieren. So bespricht Piron Ausdrucksformen von heute, die der Erfinder Zamenhof vielleicht gar nicht verstanden hätte. Die Lebendigkeit der Sprache erscheint mir dennoch wünschenswerter als eine allzu starre Einhaltung von historischen Regeln, selbst wenn dies dem Konzept einer universal verständlichen Sprache ein wenig zuwider laufen mag. Idealerweise besitzt “Universalität” nämlich auch eine zeitliche Komponente. Aber Völkerverständigung findet eben doch im hier und jetzt statt.




Am 18. August 2007 um 14:51 Uhr
Ein Nachteil der natürlichen Evolution der Sprache ist auch, dass die Sprache immer komplizierter wird und am Ende auch eine Menge Ausnahmen beinhaltet.
Auf diese Weise wären die gepriesenen Eigenschaften des Esperantos verloren.
Die Sprache wäre gleich jeder natürlichen Sprache (gleich kompliziert und schwer erlernbar).
Auch eine Aufspaltung und Regionalisierung wäre dankbar. Zum
Teil ist so etwas bereits geschehen durch Entstehung der s.g Esperantiden:
Ido , Interlingva, …..
Das ist ein Thema, die viele Esperantisten bewegt. Es gibt dann s.g. Naturalisten und Nichtnaturalisten.
Esperanto tielas. – So ist Esperanto
Am 18. August 2007 um 16:10 Uhr
Das schöne an dem oben beschriebenen, sich weiterentwickelnden Umgang mit Esperanto ist ja gerade, dass sich die Regeln eben nicht geändert haben, sondern es wurden nur neue, elegante Ausdrucksweisen gefunden, die früher nicht “üblich” waren und Vokabeln für Sachen, die es damals noch nicht gab. Ausnahmen sind dadurch aber keine entstanden, die guten Eigenschaften bleiben alle erhalten. Regionalisierungen halte ich in diesem Zusammenhang zwar für möglich, aber recht unwahrscheinlich: Reisen und internationale Treffen waren schon immer Teil der Esperanto-Kultur und spätestens globale Medien bzw. das Internet dürften zu einer starken Vereinheitlichung der Sprechweise führen.
Der Nachkömmling Ido hat damit eigentlich nichts zu tun. Er ist ja nicht durch evolutionäre Veränderungen dem Esperanto entwachsen, sondern da hat jemand willkürlich gesagt, wir machen jetzt eine ganze Reihe von Dingen anders. Verständlich, dass das kaum jemand mitgemacht hat. Und Interlingva hat nun gar nichts mit Esperanto zu tun.
Am 7. September 2007 um 09:04 Uhr
Lieber Wolfram
Rein zufällig über die Suchmaschine habe ich Deinen Eintrag gefunden. Es wäre schöner gewesen, wenn wir uns einfach mal direkt hätten austauschen können. Aber irgendwie sind Espis alle in ihrer Nußschale und wollen nur über sprachliche Details blubbern, nicht über IT, Blogs und LINUX-Distributionen. Die gute Lenjo aus Neukölln hätte beim Ubunte-basteln sicher Deinen Rat gebrauchen können. So kleben sie weiter an Mr. Gates.