Jugend – Schützen – Killerspiele
Nicht lange ist es her dass eine Horde von populistischen Dummschwätzern eine neue Schublade namens “Killerspiele” in unseren Köpfen aufgemacht hat. Auch wenn Computerspiele natürlich nicht der einzige Grund für Amokläufe sein können und echte “Killerspiele” bereits längst verboten sind, gebührt Bundesfamilienministerin von der Leyen jetzt ein klitzekleines Lob, da sie nun als erste einige diskussionsfähige Änderungsvorschläge zum Jugendschutz in dieser vollkommen überflüssigen Debatte gemacht hat. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware sieht das ähnlich.
Dass Bayern aber weiterhin ein viel härteres Vorgehen propagiert ist nicht verwunderlich. In jenem schönen Bundesland, in dem Schützenvereine und eindimensionaler Populismus zur Tradition gehören, möchte man natürlich den Sündenbock “Killerspiele” viel gründlicher ausschlachten, um von der eigenen Verantwortung gegenüber der viel größeren Gefahr abzulenken. Denn alle jugendlichen Amokläufer hatten gemeinsam, dass sie bereits an echten Waffen ausgebildet waren: Martin Peyerl aus Bad Reichenhall wuchs mit regelmäßigen Schießübungen im Wald auf, Michael F. aus Bad Aibling ist der Sohn eines Waffenliebhabers, Adam Labus aus Freising war selber ein Waffen- und Kriegsnarr, Robert Steinhäuser aus Erfurt führte intensives Waffentraining durch, und Sebastian B. aus Emsdetten bezog seine Waffen ungehindert aus dem Versandhandel:
Ein Verbot der Killerspiele? Seit langen ist bekannt, dass nicht Computerspiele, sondern das überquellende Vorhandensein von Handfeuerwaffen die meisten Todesopfer und Verletzten fordern. Gewehre sind weit vor dem Sprengstoff die wirkliche Massenvernichtungswaffe. Auch der Emsdetter Schüler konnte sich offenbar über das Internet mit mehreren Waffen und der entsprechenden Munition, aber auch mit Sprengstoff versorgen und hat mit Bomben, Waffen und Kampfanzügen schon lange vor der Tat trainiert und experimentiert.
Warum verschärft man also nicht die Bestimmungen für Waffenerwerb, -besitz und -gebrauch, besonders im Umfeld von Kindern und Jugendlichen, durch den die Amokläufe überhaupt erst möglich wurden? Warum werden Waffenträger nicht psychologisch geprüft oder begleitet? Die aktuelle Verbots-Debatte um Computerspiele ist eine einzige Nebelkerze, um das lebensgefährliche Hobby der deutschen Waffennarren komplett aus der Schusslinie zu halten.




Am 14. Februar 2007 um 12:34 Uhr
früher und heute, wie sich die Geschichten gleichen
http://www.jungle-art.de/blog/?p=26
Der Vorstoß des Familienministeriums ist zu begrüßen, vernünftiger Jugendschutz muss nicht mit Zensur bzw. “Erwachsenenerziehung” münden.
Was Bayern fordert nimmt immer skurilere Formen an
AlexX!!
Am 27. Februar 2007 um 16:23 Uhr
[...] Allein Justizministerin Zypries vertritt in diesem Beitrag die einzig vernünftige Position, wird jedoch als untätig und verharmlosend hingestellt. Dabei hat sie völlig recht mit ihrer Feststellung, dass niemand eine Verbesserung des bereits bestehenden Verbots vorgeschlagen hat. Indirekt bestätigt das sogar Herr Beckstein selber, der sich zwar heftigst beklagt und die Ministerin zur “Privatperson” herabwürdigt, aber letztlich auch nicht sagt was er besser machen würde. Wer wirklich ernsthaft daran interessiert ist, etwas zu verbessern, kann dies nämlich bei der Durchsetzung des bereits vorhandenen Jugendschutzes tun. Dazu hat Familienministerin von der Leyen als einzige ein paar sinnvolle Vorschläge in dieser Debatte gemacht, die von der Panorama-Redaktion aber komplett ignoriert wurden. [...]