Zigaretten-Quote: Null
Ich muss mich hier mal als leidenschaftlicher Nichtraucher outen. Wie alle Gifte kommt es natürlich auf die Dosis an, und selbstverständlich gibt es noch genügend andere Umweltgifte, die schlimmer sind. Jedoch ist Rauchen die überflüssigste Vergiftungsart, die es gibt. Ihre Verbreitung zieht sich wie ein Dummheitsvirus durch die Bevölkerung. Die Nikotin-Droge dient keinem anderen Zweck als den Körper abhängig zu machen und der Tabak-Industrie sichere Umsätze zu generieren.
Vor allem in Räumen und Fluren ist eine Berauchung (Passivrauchen) überhaupt nicht akzeptabel, unabhängig davon ob man gerade Essen zu sich nimmt oder nicht. Bei dem heftigen Dunst, den die Abhängigen tagtäglich in gemeinschaftlich genutzten Innenräumen produzieren, wirkt jede Feinstaubregelung für unsere Straßen lächerlich. Und je nachdem wie der Wind steht bekommt man auch auf Bürgersteigen die Raucherfahnen deutlich ab. Leider bietet es sich nicht immer an, die Räumlichkeiten oder die Straßenseite zu wechseln. Aber warum sollte das ein Problem der Nichtraucher sein – müssen die Klügeren immer nachgeben?! Raucher kommen ja gerne mit dem Argument der Freiheit, die man ihnen doch nicht einschränken könne. Doch, das man kann. Es geht nicht an, dass die Freiheit auf Suchtbefriedigung des einen über der körperlichen Unversehrtheit des anderen stehen darf. Es darf einfach kein Freiheitsrecht sein, einen gefährlichen Giftcocktail zu verbreiten.
Sehr schade finde ich, dass die Küchenradio-Macher rauchen und ihre Sucht im Podcast ausgiebig zelebrieren. Bisweilen ist die regelmäßig wiederkehrende Institution der “Zigaretten-Quote” sogar ganz lustig. Aber erträglich ist die Sendung dann doch nur aus der Distanz über das Internet – beiwohnen würde ich dieser Qualm-Orgie nicht freiwillig. Bisweilen nimmt das Verteidigen der Sucht auch bedenkliche Züge an. Da wird schonmal das Rauchen in der Schwangerschaft verharmlost. Die Ankündigung der neuesten Sendung (Nr. 84) weckte meine Aufmerksamkeit, denn es wurde die Frage in den Raum gestellt, ob Rauchen wirklich gesundheitsschädlich sei. (JA, IST ES!) Aber beim Küchenradio ist keine Besserung in Sicht (Rauchen lässt ja erwiesenermaßen das Gehirn schrumpfen), denn dort gelten die Schäden durch das Rauchen als Hysterie, Risikosport sei viel gefährlicher. In der Stillzeit raucht die podcastende junge Mutter nun weiterhin “gelegentlich” – das sei in Ordnung wenn man die Milch vor der Zigarette abpumpe, und in ein verrauchtes Lokal würde sie ihr Kind nicht mitnehmen – tja, unter den Blinden ist der einäugige König. Ich kann da nur den Kopf schütteln, und Otto wird in etwa zwölf Jahren Raucher sein.
Auf Bundesebene war in Sachen Nichtraucherschutz leider noch nie ein Staat zu machen. Die Regierungen haben sich immer zu willfährigen Untertanen der Tabak-Lobby gemacht, der jeweilige Finanzminister krallte sich an die Peanuts von Tabaksteuer. Das entsprechende Werbeverbot in der EU wurde von unseren “Volksvertretern” sogar bis zum letzten Zug bekämpft, und jetzt nach der Selbstentmachtung durch die Föderalismusreform ist vom Bund erst recht nichts mehr zu erwarten. Dringend geboten ist daher ein Schutz auf Landesebene. Aber kann es Kneipen ohne Rauch überhaupt geben? Durchaus:
In Finnland, Irland, Italien, Spanien, Norwegen, Schottland, Schweden ist auch in Kneipen das Rauchen verboten. [...] Das für manchen vielleicht überraschende Ergebnis: In irischen Restaurants, Bars und Pubs hat sich die Umsatzsituation im Vergleich zur Situation ohne Rauchverbot eindeutig verbessert.
Die Vorstellung von einer rauchfreien Gastronomie gefällt mir natürlich sehr, sogar in eine Kneipe würde ich mich dann mal trauen. Letztendlich werden durch Rauchverbote aber auch nur die Symptome einer Massensucht gelindert. Langfristig kann nur ein allmähliches Herabsetzen des Nikotingehaltes bis unter die suchterhaltende Dosis das Rauchen wirksam bekämpfen, denn allein durch das Nikotin wird der Raucher “bei der Stange” gehalten.
Nur eine rauchfreie kann eine lebenswerte Zukunft sein.



