19. Oktober 2011
Die letzten Wochen seit der Berliner Wahl waren schon ziemlich turbulent für die vierte Macht im Staat, den Hüter der Demokratie, das mediale Spiel um Aufmerksamkeit. Was weiß ich denn, ob das mehrere Graswurzelbewegungen waren aus denen die Grünen damals entstanden: für Umwelt, gegen Atom, für Emanzipation, gegen Krieg und Karies. Wenn man ihnen das jetzt in Abrede stellt ist das ganz allein die Schuld der Piraten, denn diese Ein-Themen-Partei fordert ja ausschließlich die totale Freiheit im Internet.
Das wird wie bei den Grünen auch noch die nächsten drei Jahrzehnte so bleiben, denn Inhalte erarbeiten ist halt viel Arbeit und geht nicht über Nacht, selbst wenn der grundlegende Politikansatz der Piraten feststeht, das Programm daran wächst und diverse Wegweiser recht deutlich zeigen wohin die Reise gehen soll. In den Medien wird das aber nicht aufgegriffen, denn Inhalte erarbeiten ist halt viel Arbeit und geht nicht über Nacht. Ich zeige daher mein vollstes Verständnis wenn die Mehrheit der Journalisten einfach nachplappert und abschreibt was ihre Kollegen sich in minutenlanger Nichtrecherche selber erdacht haben.
In diesem Internet, das ohnehin mehr Schaden anrichtet als es nützt, findet man ja sowieso keine brauchbaren Quellen, also lieber die Sicht des uninformierten Zuschauers einnehmen, dann wirkt es wenigstens authentisch. Etwas stutzig macht mich zwar schon, dass es zwischen Volkspartei und Ein-Themen-Partei keine anderen Größeneinheiten zu geben scheint, aber so oft wie die Piraten schon mit der vormaligen Präferenz des anscheinend wichtigsten Sechstels ihrer Wähler: den Grünen — also praktisch ihrer Ursuppe — verglichen worden sind, das färbt halt ab. Gegenseitig und rückwirkend.
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19. Februar 2011
Es war in der Wissenschaft noch nie eine Schande, sich der Gedanken anderer zu bedienen, man muss es halt nur immer kennzeichnen. Bevor man dieses Prinzip verstanden hat, kann man durchaus dem Denkirrtum erliegen, man müsse als wissenschaftlicher Autor selbst ein Genie sein, das ganz alleine die Welt erklären kann. Wissenschaft aber bedeutet, auf den Schultern von Riesen zu stehen, auf vielen, manchmal hunderten von Bausteinen aufzubauen, um dann am Ende nur noch einen weiteren kleinen Kiesel draufzusetzen.
Wenn man dieses grundlegende Prinzip wissenschaftlichen Schreibens erst einmal verstanden und verinnerlicht hat, dann ist es fast schon trivial. Aber dann ist es auch nicht mehr verzeihlich (und eigentlich auch gar nicht nötig), den eigenen kleinen i-Punkt von anderen abzuschreiben und sich mit fremden Federn zu schmücken. So sehr ich auch der Meinung bin, dass Fehler zu machen menschlich ist, so habe ich für Guttenberg in dieser Sache kein Mitleid.
Es geht immerhin nicht um einen läppischen Deutschaufsatz oder eine Seminarausarbeitung, sondern um eine Doktorarbeit, die zudem noch mit “summa cum laude” ausgezeichnet wurde. Die Verdachtsmomente werfen eben auch andere Fragen auf als nur die, ob er vielleicht unter Zeitdruck ein bischen zu sehr geschludert hat: nämlich ob er einen Ghostwriter engagiert hat, oder ob ihn die Gutachter trotz der Mängel mit Auszeichnung durchgewunken haben.
Guttenberg inszeniert sich sonst immer gerne als Speerspitze einer von vorne bis hinten sauberen und integeren (Leistungs-)Elite. Allerdings mochte sich mir aus seiner allzu schnellen Karriere noch keine Rechtfertigung dafür offenbaren, dass die äußerlich geschniegelte Hülle auch von entsprechenden Fähigkeiten ausgefüllt ist. Vielleicht habe ich ja nur nicht gründlich genug gesucht, aber ich habe den Eindruck, dass er von einem Mythos umgeben wird, der ihn maßlos überhöht. Deshalb würde es mich freuen wenn mit der Plagiats-Geschichte der “Mythos Guttenberg” endlich beendet wird und die Allgemeinheit von nun an die “Person Guttenberg” als diejenige bewertet, die sie tatsächlich ist. Nicht mehr und nicht weniger.
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27. August 2010
Check out a marvelous search engine –
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Das nenn ich doch mal eine richtig “überzeugende” Werbung!
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12. Januar 2010
Seit einigen Jahren ist mir Oekonux ein Begriff, eine Community, die das Modell der Entwicklung freier Software auf eine allgemeine Wirtschaftsform übertragen möchte. Sie benutzt für ihre Theorie den im wahrsten Sinne des Wortes blumigen Begriff “Keimform”, der unter meinen damaligen Peers in erster Linie für Heiterkeit sorgte. Aber selbst wenn ihre Theorie vielleicht nicht den höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen mag, so sprechen sie dennoch einen interessanten politischen Punkt an: eine Gesellschaft, in der man sich frei organisiert ohne das Primat des Kapitals selbst verwirklichen kann. Das Prinzip der “Peer Production” beleuchtet Christian Siefkes in seinem Buch “Beitragen statt tauschen“.
Heute sehe ich ihren Ansatz in Verbindung mit der Idee des Grundeinkommens mit etwas anderen Augen. Die Einführung eines Grundeinkommens würde es wohl erlauben, große Teile ihrer antizipierten Wirtschaftsform umzusetzen. Güter und Dienstleistungen würden zwar nicht einfach aufhören, Waren zu sein, und das Geld würde nicht verschwinden, aber die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen erlaubte die von ihnen ersehnte Selbstentfaltung in frei gewählten Tätigkeiten, und die unter bestimmten Bedingungen sehr fruchtbare Produktionsweise freier Softwareprojekte könnte auf andere Bereiche deutlich ausgeweitet werden. Die Verbindung von Grundeinkommen und Peer Production erscheint mir insgesamt eine sehr natürliche, und ich bin geradezu erstaunt, dass das Grundeinkommen von den Oekonuxern nicht (stärker) propagiert wird. Die ihnen gewiss noch innewohnende Vorstellung, das Kapital vollends überwinden zu müssen, steht dem wohlmöglich im Wege?
Selbst wenn wir mit einem Grundeinkommen das Kapital nicht überwinden werden, sondern uns mit ihm “nur” nachhaltig arrangieren können — was unter den heutigen Bedingungen leider nicht gilt –, wäre viel gewonnen. Der Antrieb zu Arbeit sollte vor allem intrinsischer Natur sein: individuelle Interessen und Ziele, Bildung und Weiterentwicklung, Freundschaftsdienste und Familienarbeit aus Zuneigung und Hilfsbereitschaft. Produktionen müssen in einem entschärften Kapitalismus keine Gewinne abwerfen, solange sie nur Kosten und Steuern decken. Das Streben nach Gewinn könnte sich von außen (Geld) nach innen (Befriedigung) verlagern. Im Mittelpunkt dessen sehe ich ein sinnerfülltes Leben und Streben: organisiert als Peer Production, ermöglicht durch ein bedingungsloses Grundeinkommen.
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