Liquid Feedback braucht keine Klarnamen, sondern eine bessere Akkreditierung

6. März 2012

Ein paar Piraten haben es sich in den Kopf gesetzt, die Berliner Liquid-Feedback-Instanz zu verbessern. Mit ihrem Vorschlag schießen sie aber über das Ziel hinaus.

Bei der jüngsten Landesmitgliederversammlung war es eine hitzige Debatte, die von mehreren Seiten vor allem durch Polemik, aber leider weder durch Argumente noch durch technischen Sachverstand geprägt war. Bei der Abstimmung hat dann der Vorschlag, Klarnamen im Liquid-Feedback-System einzuführen, die notwendige Zweidrittelmehrheit verfehlt. Angesichts der Art dieses Vorschlags und wie mangelhaft er disktutiert wurde, ist das auch gut so.

Es stimmt, dass das derzeit für die Berliner Piraten laufende LQFB deutliche Mängel hat. Der gewichtigste Punkt ist die Akkreditierung, und die sollte unbedingt verbessert werden. Im FAQ heißt es dazu:

“Wie wird sichergestellt, dass keine Fake-Nutzer erstellt werden, also dass hinter jedem Nutzer tatsächlich ein stimmberechtiger Pirat steht?

In der Mitgliederdatenbank steht vermerkt, welcher Pirat welchen Einladungscode erhalten hat. Im LiquidFeedback-System existiert eine Zuordung zwischen Einladungscode und jeweiligem Nutzer. [...] Um sicherzustellen, dass keine unberechtigten Accounts im System existieren, ist geplant einen Abgleich zwischen den im System genutzten Einladungscodes und der Mitgliederdatenbank in periodischen Abständen (z.B. alle 3 Monate) durchzuführen.”

Das heißt, dass ausgetretene Mitglieder ihren Account bzw. ihre Stimmberechtigung in LQFB derzeit nicht verlieren. Auch Mitgliedern, die ihren Beitrag nicht gezahlt haben, wird bisher nicht die Möglichkeit zur Abstimmung entzogen. Der für die Berechtigung nötige Abgleich, ist also bisher nur geplant und sollte schnellstmöglichst eingeführt werden. IMHO sollte der Abgleich möglichst automatisch in mind. monatlichem oder sogar wöchentlichem Abstand erfolgen.

Diese wirklich essentielle Verbesserung war aber nicht Kern des oben genannten, umstrittenen Vorschlags. Stattdessen setzen seine Befürworter auf den Klarnamens-Zwang. Das heißt jeder Account soll auf den realen, bürgerlichen Namen lauten, außerdem soll die Aufnahme ins System oder die Partei mit Ausweiskontrolle erfolgen.

Der abgelehnte Vorschlag beinhaltete zwar eine verbesserte Akkreditierung, aber vor allem die Klarnamenspflicht, und deshalb kann ich ihm nicht zustimmen. Hier gilt es nämlich zu trennen: zwischen der Akkreditierung einerseits und dem sichtbaren Benutzen des Klarnamens andererseits. Denn allein ob ein Account Eichhörnchen3 oder Michael Müller heißt, kann letztlich nicht für die Verlässlichkeit und Relevanz des dahinterstehenden Verfahrens ausschlaggebend sein. Wenn ich jemanden und seine Abstimmung “überprüfen” möchte, ist das auch mit einem pseudonymisierten System möglich, hinter Realnamen können genauso Fake-Nutzer stehen. Was am Ende zählt ist allein die korrekte Durchführung der Akkreditierung. Und die muss, wie oben schon ausgeführt, in der Tat verbessert werden: einmal durch den regelmäßigen Abgleich mit der Mitgliederdatenbank, durch einen Abgleich in Hinsicht auf die Beitragszahlung, und zu guter letzt könnte man durchaus die einmalige Ausweiskontrolle zur Aufname in die Partei in Erwägung ziehen, um Mehrfacheintritte und Scheinmitgliedschaften ausschließen zu können.

Es ist aber eine ganz andere Thematik ob dann auch der Klarname im System gezeigt wird oder nicht. Und hier scheiden sich die Geister ganz besonders: Es ist nämlich keinesfalls eindeutig, ob das Abstimmungsverhalten rein privat oder ganz öffentlich zu sein hat. Eine geheime Wahl ist elektronisch ohnehin nicht möglich, aber einer Transparenzpflicht wie man sie Abgeordneten abverlangen kann, unterliegen Bürger erst recht nicht. Und gerade im Spannungsfeld zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit sollen wir Piraten es doch besonders genau nehmen.

Leider haben sich einige Piraten am Klarnamen festgebissen als ob es sonst kein Morgen gäbe, dabei wäre eine verbesserte Akkreditierung die einzige wirklich notwendige, und tatsächlich auch dringend notwendige Verbesserung. Einer wasserdichten Akkreditierung für ein pseudonymes LQFB würde ich sehr gerne zustimmen. Und den verpflichtenden Gebrauch von Klarnamen könnte man später ja immernoch einführen wenn wir das wirklich wollen. Aber dann bitte mit stichhaltigen Argumenten, im Moment sehe ich dafür kein einziges.

“Journalistische” Glosse

19. Oktober 2011

Die letzten Wochen seit der Berliner Wahl waren schon ziemlich turbulent für die vierte Macht im Staat, den Hüter der Demokratie, das mediale Spiel um Aufmerksamkeit. Was weiß ich denn, ob das mehrere Graswurzelbewegungen waren aus denen die Grünen damals entstanden: für Umwelt, gegen Atom, für Emanzipation, gegen Krieg und Karies. Wenn man ihnen das jetzt in Abrede stellt ist das ganz allein die Schuld der Piraten, denn diese Ein-Themen-Partei fordert ja ausschließlich die totale Freiheit im Internet.

Das wird wie bei den Grünen auch noch die nächsten drei Jahrzehnte so bleiben, denn Inhalte erarbeiten ist halt viel Arbeit und geht nicht über Nacht, selbst wenn der grundlegende Politikansatz der Piraten feststeht, das Programm daran wächst und diverse Wegweiser recht deutlich zeigen wohin die Reise gehen soll. In den Medien wird das aber nicht aufgegriffen, denn Inhalte erarbeiten ist halt viel Arbeit und geht nicht über Nacht. Ich zeige daher mein vollstes Verständnis wenn die Mehrheit der Journalisten einfach nachplappert und abschreibt was ihre Kollegen sich in minutenlanger Nichtrecherche selber erdacht haben.

In diesem Internet, das ohnehin mehr Schaden anrichtet als es nützt, findet man ja sowieso keine brauchbaren Quellen, also lieber die Sicht des uninformierten Zuschauers einnehmen, dann wirkt es wenigstens authentisch. Etwas stutzig macht mich zwar schon, dass es zwischen Volkspartei und Ein-Themen-Partei keine anderen Größeneinheiten zu geben scheint, aber so oft wie die Piraten schon mit der vormaligen Präferenz des anscheinend wichtigsten Sechstels ihrer Wähler: den Grünen — also praktisch ihrer Ursuppe — verglichen worden sind, das färbt halt ab. Gegenseitig und rückwirkend.

Plagiatsaffäre Guttenberg

19. Februar 2011

Es war in der Wissenschaft noch nie eine Schande, sich der Gedanken anderer zu bedienen, man muss es halt nur immer kennzeichnen. Bevor man dieses Prinzip verstanden hat, kann man durchaus dem Denkirrtum erliegen, man müsse als wissenschaftlicher Autor selbst ein Genie sein, das ganz alleine die Welt erklären kann. Wissenschaft aber bedeutet, auf den Schultern von Riesen zu stehen, auf vielen, manchmal hunderten von Bausteinen aufzubauen, um dann am Ende nur noch einen weiteren kleinen Kiesel draufzusetzen.

Wenn man dieses grundlegende Prinzip wissenschaftlichen Schreibens erst einmal verstanden und verinnerlicht hat, dann ist es fast schon trivial. Aber dann ist es auch nicht mehr verzeihlich (und eigentlich auch gar nicht nötig), den eigenen kleinen i-Punkt von anderen abzuschreiben und sich mit fremden Federn zu schmücken. So sehr ich auch der Meinung bin, dass Fehler zu machen menschlich ist, so habe ich für Guttenberg in dieser Sache kein Mitleid.

Es geht immerhin nicht um einen läppischen Deutschaufsatz oder eine Seminarausarbeitung, sondern um eine Doktorarbeit, die zudem noch mit “summa cum laude” ausgezeichnet wurde. Die Verdachtsmomente werfen eben auch andere Fragen auf als nur die, ob er vielleicht unter Zeitdruck ein bischen zu sehr geschludert hat: nämlich ob er einen Ghostwriter engagiert hat, oder ob ihn die Gutachter trotz der Mängel mit Auszeichnung durchgewunken haben.

Guttenberg inszeniert sich sonst immer gerne als Speerspitze einer von vorne bis hinten sauberen und integeren (Leistungs-)Elite. Allerdings mochte sich mir aus seiner allzu schnellen Karriere noch keine Rechtfertigung dafür offenbaren, dass die äußerlich geschniegelte Hülle auch von entsprechenden Fähigkeiten ausgefüllt ist. Vielleicht habe ich ja nur nicht gründlich genug gesucht, aber ich habe den Eindruck, dass er von einem Mythos umgeben wird, der ihn maßlos überhöht. Deshalb würde es mich freuen wenn mit der Plagiats-Geschichte der “Mythos Guttenberg” endlich beendet wird und die Allgemeinheit von nun an die “Person Guttenberg” als diejenige bewertet, die sie tatsächlich ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Aus den Kommentar-Spams..

27. August 2010

Check out a marvelous search engine –
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Das nenn ich doch mal eine richtig “überzeugende” Werbung!


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